Wandersch(r)adeln über den Hexen-Stieg + Harzer-Gipfel 97km in 2,5 Tagen

Als ich zum ersten Mal im Harz war, konnte ich gar nicht glauben, dass Wald einfach nur schön sein kann.

 

Gut, dass ist jetzt vllt. etwas übertrieben, denn Wald gibt es ja nun überall. Aber ein Besuch im Harz lohnt sich immer – nicht nur wegen des schier endlosen Waldes sondern auch wegen des Brockengipfels, der Brockenbahn, der schönen urigen Dörfer, der Sagen und Märchen und der Gastfreundlichkeit. Zu der komme ich später noch einmal ganz explizit - immer schön der Reihe nach!

 

Wandern im Harz, ist purer Luxus!

 

Man reist mit leichtem Gepäck, alles was du brauchst ist in deinem Rucksack oder läuft neben dir her.

Ich habe mich für den Gipfelstürmer entschieden und nicht nur wegen des angestrebten Brockengipfels.

Der Harzer Hexen-Stieg (97km) verbindet die Orte Osterode und Thale (oder auch umgekehrt)

Mal steil und hügelig, mal eben und flach, mal felsig oder schradelig, aber immer grün und  immer entlang eines Gewässers.

 

1. Etappe: 19.08.2016

 

Von Osterode, Lerbach, Buntebock, Altenau, Torfhaus ca. 39km: Man geht eine ganze Weile, nach einem kontinuierlichem sehr langen Anstieg, an Dammgräben entlang, die Teil des Unesco-Naturerbes Oberharzer Wasserregal sind. Tipp zum Einkehren: Das Polsterberger Hubhaus ist ein Pumpenhaus oberhalb des Dammgrabens im Oberharz, welches jetzt als Waldgaststätte genutzt wird. Interessante Gerichte, duftende Kuchen und Holunderblütenschorle. Zum Schluss wird man durch einen sehr schönen, felsigen Höhenweg belohnt, der noch einmal alles abverlangt. Wir haben in der Jugendherberge Torfhaus übernachtet.

 

Die Jugendherberge Torfhaus liegt direkt am Harzer-Hexen-Stieg und ist als Umwelt-Jugendherberge zertifiziert. Das besondere ökologische Umfeld des geschützten Standortes bietet besonders gute Möglichkeiten zur Umweltbildung. Der nette Herr Brinkmann steht Rede und Antwort, noch während wir im Wandermodus sind, per Telefon -  und besteht auf "Schuhe aus" beim Ankommen aber organisiert sogar noch nach Feierabend Handtücher. Also dafür laufe ich gerne ohne Schuhe durch die Herberge.  Die Zimmer sind mit Etagenbetten, Dusche und WC ausgestattet und für das Frühstück gibt es Extra-Würste. Purer Luxus eben. „Um die Ecke“ gibt es nach 20:00 Uhr noch Gelegenheit Kleinigkeiten zu speisen. Extra für uns, hat der Kellner von Halali, die Küche noch mal in Schwung gebracht. Dafür ein Herzliches Dankeschön.

 Übernachtungs-Tipp für Nicht-Jugendherberger: Ferienwohnung Am Wolfstein in Bad Harzburg, kann man ab Torfhaus ganz gut mit dem Bus erreichen.

 


Etappe 2: Von Torfhaus über den Gipfel nach Königshütte - verhext!

Der "Höhepunkt" der Tour auf unserer heutigen Etappe ca. 28km, geht durch den Nationalpark Harz. Auf den 1141m hohen Brocken, dem höchsten Berg des Harzes und ganz Norddeutschlands.

 

Von weitem schon, kann man ihn sehen – den Brocken – der gigantisch in den Himmel ragt.

 

Die Landschaft ist eindrucksvoll, abgestorbene und krüppelige Tannen, deren Zeiten im Harz geschrieben sind, aber immer noch tapfer standhalten, sind längs des Harzer Hexen-Stiegs und auch des Goethewegs,  immer wieder zu sehen. Man wandert zunächst auf Stegen, entlang des Abbegrabens, durch die Hochmoore, die den Lebensraum von vielen stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten bilden.  Hier ist es sehr schön. Kurze Zeit später, stößt man auf den Plattenweg, der natürlich auch für die deutsche Geschichte steht, aber zum Laufen nicht sonderlich attraktiv ist.

 

Mir schien es, dass plötzlich an dieser Stelle die rassigen Hexen ihr Unwesen treiben!

 

Irdisch – überirdisch – unterirdisch: Mythen im Harz:

 

Ein Mythos kann Wissen weitergeben, für das es keine wissenschaftliche Erklärung gibt. Er stellt Allgemeinmenschliches und Allgemeingültiges heraus. In den Geschichten spiegeln sich menschliche Probleme und Erfahrungen, sie versuchen die Vergangenheit zu erklären und die Zukunft zu deuten. Dabei unterwirft sich ein Mythos keiner Regel, erzählt wird, was interessiert. So kommt es, dass mitunter Zeiten gemischt werden, germanisches Brauchtum auf christliche Vorstellung prallt, präzise Ortsangaben mit plötzlich sehr vagen wechseln. Im Harz finden sich erstaunlicherweise mehrere solcher verdichteten, tragfähigen Erzählstränge - wie auch an unserem heutigen Wandertag.  Zum einen sind da die ‚irdischen‘, alten Kaisersagen, die sich um Friedrich Barbarossa, Heinrich den Vogler oder Heinrich IV. ranken. Diese versunkene Zeit wird schöner dargestellt als sie war und mancherorts wieder herbeigewünscht. Zum anderen steht der Harz wie kein zweites deutsches Mittelgebirge für das ‚Überirdische‘, als Rückzugsort und Mittelpunkt teuflischer Aktivitäten und des Hexenwerks. Der Brocken spielt dabei eine zentrale Rolle. Wohl fast jeder Harzort kann zu diesem Mythos eine Geschichte beisteuern.

 

(Quelle: http://www.harzinfo.de/kultur-pur/harzer-sagen-und-mythen.html)

 

Der Aufstieg zum Brocken ist verhältnismäßig leicht, zu dem mir bereits bekannten, anderen Aufstiegen.

Am Wegesrand sind Heidelbeeren, die für viele Wanderer einladend zum Abpflücken verlockend aussehen.

 

Ein kleines Wettrennen mit einem netten Herrn, der sich durch meine Wanderstöcke angetrieben fühlt, bringt uns zügig zum Gipfelplateau! Es ist kalt oben. Man muss es hinnehmen und die Jacke anziehen -vieles kann man einfach nicht ändern. Gemütlich sitzen wir nach dem Fotoshooting in einer windstillen Ecke und schauen dem bunten Treiben zu.

 

Weiter geht es über den Hexen-Stieg - bergab, bergauf - über den Glashüttenweg, das Knie will nicht so und die rassige Hexe sitzt im Nacken. Na, wer will da vorwärts kommen. Stempeln bei Stempelkasten Nr. 13. sie ist noch immer nicht verschwunden und ihre Wirkung hält, einmal aufgesucht, der Sage nach, noch Wochen nach, stimmt!

 

Wir gehen in Richtung Drei Annen Hohne, Königshütte aber nicht ohne in das... na sagen wir mal, Waldhäuschen.... zu gehen. Wir werden freundlich vom Waffelduft empfangen. Ist doch nicht möglich! Ich fühle mich zurückkatapultiert ins Jahr 1979 - ein Stadtfest im Osten. Die Staatskapelle spielt Musik auf großer Bühne aber man hört nichts, keiner spricht, keiner tanzt. Und hier gibt es die duftenden Waffeln nur der Reihe nach! Mit großer Mühe erhält der Gipfelstürmer noch vom letzten zusammengekratzten Waffelteig eine - dem Anschein nach angeknabberte -  Waffel - Egal, sie schmeckt.

 

In Königshütte angekommen, kehren wir in die Pension Königshof ein. Wir werden freundlich empfangen. Es gibt im Flur einen Kühlschrank mit kalten Getränken oder auch für Mitgebrachtes – Top! Unkompliziert bedient man sich und trägt sich in die Liste ein. Das Abendessen ist frisch gekocht und schmeckt hervorragend.Hier stellt sich der Koch auf Sonderwünsche ein. Die Zimmer sind groß und sauber, hier kehren wir bestimmt noch einmal ein.

Für mich ein "verhexter Tag"... eure Wanderscha

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Sandra (Freitag, 26 August 2016 16:16)

    Wie schön! Du liebe Wanderschatulle

  • #2

    Andrea (Dienstag, 30 August 2016 16:34)

    Och Menno blöde Hexe

  • #3

    Gudrun (Montag, 05 September 2016 14:57)

    Ich habe von deiner Walpurgisnacht - Wanderung gehört. Wie kann ich mich dazu anmelden? VG

  • #4

    Gaby (Montag, 05 September 2016 20:45)

    Ab wann kann man sich für die Walpurgis-Wanderung anmelden. Ich bin dabei! :-)

  • #5

    Wanderscha (Montag, 05 September 2016 21:34)

    Hallo Gaby und Gudrun,
    ich bin noch in der Planung, aber sobald diese steht, werde ich sie über die sozialen Medien bekannt geben. Schreibt mir über wanderschas-blog@web.de dann kann ich euch anschreiben.
    Viele Grüße Jeanette